Montag, 10. Februar 2014

Ich bin Tess - Lottie Moggach [Rezension]

Bildquelle
Verlag: Script5
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
ISBN: 978-3839001585
Originaltitel: Kiss me first
Preis: 17,95 Euro
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Leila lebt alleine und zurückgezogen. Ihre Welt spielt sich am Computer ab - sie arbeitet von Zuhause aus, spielt in ihrer Freizeit Onlinegames oder vertreibt sich die Zeit auf diversen Plattformen, um über alles und die Welt zu diskutieren. Auf einer dieser Seiten fühlt sie sich schnell wohl und wird zum Stammmitglied und lässt sich durch Adrian, dem Betreiber, schnell um den Finger wickeln. Eines Tages stellt er den Kontakt zwischen ihr und einer Frau her, die ein ganz bestimmtes Anliegen an sie hat. Leila soll virtuell ihr Leben übernehmen, denn Tess möchte ihre Familie und ihre Freunden in dem Glauben lassen, dass es ihr gut geht, auch wenn sie längst beschlossen hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen.


"Ich bin Tess" hat von Anfang an meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Beschreibung des Inhalts klang direkt interessant und sehr vielversprechend. Die Thematik war für mich etwas ganz Neues und so bin ich gespannt in die Geschichte eingestiegen.

Das Buch beginnt auch gleich damit, dass wir ein Gespräch zwischen Tess und Leila mitbekommen - der Prolog gibt uns also direkt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was im weiteren Verlauf noch kommen wird. Ich war dann auch von den ersten Kapiteln sehr angetan. Hier bekommen wir nämlich Leila ein wenig genauer vorgestellt und ich muss zugeben, dass mich ihr Leben irgendwie fasziniert hat. So eingemauert in ihre vier Wände. Wenig Kontakt mit der Außenwelt und ihr Leben spielt sich hauptsächlich am Computer ab. Zudem scheint mir das Mädchen eigentlich sehr klug - ich mochte ihre Sichtweise auf aktuelle Themen, wie zum Beispiel die sozialen Netzwerke und habe ihr Denken darüber sehr faszinierend gefunden. 

Trotzdem ist es das Leben von Tess, das hier die volle Aufmerksamkeit bekommt. Leila war für mich zu Beginn und einen Großteil der Geschichte einfach namenlos, weil ihr Name vielleicht zwei Mal in der Handlung auftaucht. Vielmehr verschmelzt sie, mit vorankommen der Geschichte, immer mehr mit dem Leben von Tess und ich habe mich oftmals selbst dabei ertappt, wie ich Leila im Geiste als Tess betitelt habe. Für mich war das ein wenig befremdlich, spricht aber eigentlich nur für die Autorin, dass sie diesen "Wechsel", das Übernehmen einer anderen Identität, super umsetzen konnte.

Die Beziehung zwischen Leila und Tess selbst war sehr einnehmend, da hier ganz deutlich wird, wie unterschiedlich doch die beiden Protagonisten sind. Während Leila, wie oben schon beschrieben, in einem Schneckenhaus lebt, ist Tess das komplette Gegenteil. Sprunghaft, wild, lebendig, verrückt, rastlos, aber auch sehr verunsichert. Durch die Gespräche mit Leila bekommt man einen guten Eindruck davon, warum Tess überhaupt in der jetzigen Situation ist. Zudem werden Thematiken aufgeworfen und angekratzt, die für mich sehr packend sind. Natürlich der Suizid, aber auch andere Punkte, wie Abhängigkeit, bzw. Besessenheit von einer Person, werden hier sehr anschaulich und lohnend verpackt.

Nachdem Leila sich dann Stück für Stück das andere Leben angeeignet hat und Tess sich endgültig verabschiedet, beginnt sie die Fassade aufrechtzuerhalten.
Irgendwann bin ich dann aber selbst an einem Punkt angelangt, an dem mich die Geschichte irgendwie überreizt hat. Die Glaubhaftigkeit war für mich nicht mehr gegeben, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass Freunde und besonders die Familie auf so einen "Bluff" für längere Zeit reinfallen. Zudem konnte ich auch Leila nach einer gewissen Zeit nicht mehr verstehen. So ein Job muss doch einen enormen Druck ausüben, das Gewissen belasten. Als spaßigen Job, wie sie es irgendwann mal genannt hatte, konnte ich mir das Ganze nicht vorstellen.

Die Geschichte lebt durch diesen Ablauf, bis ganz langsam die Fassade anfängt zu bröckelt und Leilas eigenes Leben, ihre Bedürfnisse, immer mehr in den Vordergrund rücken und sich ein Stück weit mit dem Leben von Tess vermischen. 
Die Art der Auflösung des großen Ganzen war irgendwann natürlich absehbar und in meinen Augen auch unvermeidbar. Nichts hält ewig und schon gar nicht so eine Fassade. 

Der Stil der Autorin lässt sich einfach und flüssig lesen. Für meinen Geschmack bleibt sie jedoch oftmals zu sehr im Detail und dadurch kommt die Handlung gelegentlich nur langsam voran und zieht sich.



Am Ende bin ich ziemlich zweigeteilt! "Ich bin Tess" hat auf eine Art schon etwas Faszinierendes an sich, weil die Thematik sehr anders und dadurch eben besonders ist. Zudem werden Aspekte angesprochen, die ich sehr einnehmend fand. Nichtsdestotrotz verliert die Geschichte für mich aber mit der Zeit stark an Glaubwürdigkeit und kann auch nicht mehr durch Überraschungen punkten.


Ich vergebe 

6/10
Punkten


Kommentare:

  1. ERSTEEEE :D
    Eine richtig tolle Rezension und trotz deiner Kritikpunkte klingt es wirklich interessant und ich denke darüber nach es zu lesen. :D Eigentlich bin ich sogar ziemlich neugierig. :D Kritik macht mich ja ganz oft neugierig. xD
    Echt guuuut! :) <3

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  2. ZWEITEEER! :D
    Dankeschön! Es war ja auch wirklich nicht schlecht und die Thematik ziemlich interessant - nur halt zum Ende hin hatte ich meine Probleme! :D <3

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  3. SHANTYYY!:D Wieder so ein Buch, dass völlig an mir vorbei gegangen ist, weil es mich einfach nicht interessiert hat. Die Thematik klingt schon interessant und deine Rezi tut ihr übrigens (an dieser Stelle ein paar <333) , werde das Buch trotzdem nicht lesen.

    liebste Grüße
    die, deren Name nicht genannt werden darf

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  4. Haha xDD
    Ich werde es dir auch nicht andrehen, Lord Shantel!! <33333 und ein Deformiertes y-3

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  5. Mungo-Party!!! Nein, für mich war es schon von vornerein nichts und ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung :-) Danke dafür ;-)

    Liebe Grüße

    Steffi

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  6. Ich reihe mich dann mal ein in die Post der Mungos <3 <3 <3

    Deine Rezi ist wie immer extrem gut, vom Klappentext her reizt mich das Buch auch. Deine Kritikpunkte haben mich aber davon überzeugt, dass ich es nicht möchte.

    Thanks and big kisses <3

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  7. Hier sind wirklich nur Mungos! :D
    Schön, dass ich dich in deiner Entscheidung bestärkt habe, Steffi! <3 :D
    Danke, Ally! Ja, der Klappentext hat mich auch sofort neugierig gemacht und die Geschichte ist auch gut verpackt, aber ein MUSS ist es für mich nicht unbedingt! :D
    <333

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  8. Echt heftig... Wo sind denn alle anderen? Halllllllooooooooooooo! :-D

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lauft mir nach ...